Wissen Sie, ich kann das sehr gut. Wenn mir jemand sagt, ich solle nicht an den berühmten rosa Elefanten denken, dann denke ich wirklich nicht an den rosa Elefanten. Und so zwinge ich mich auch jetzt nicht an das zu denken, was eigentlich wie ein Schatten über jedem meiner Gedanken hängen müsste. Ich verbiete es mir. Und das ist auch der Grund, weswegen ich praktisch weiterlebe, als wenn nichts gewesen wäre. Ich organisiere, ich telefoniere, ich sortiere Unterlagen, plane, mache Termine, telefoniere wieder. Die Beerdigung zu organisieren ist letztlich noch der kleinste Aufwand. Ich spiele mit dem Tochterkind, lade Freunde zum Brunchen ein, erfreue mich an unseren Minihopelhäschen, plaudere mit meiner Oma und erwähne im Gespräch mit Bekannten überhaupt nicht, was geschehen ist. Wozu auch, es würde sie jetzt noch unnötig betroffen machen. In ein paar Wochen, wenn sie das Gefühl haben, dass genug Zeit vergangen ist in der ich gelernt haben müsste damit zu leben, da lässt es sich dann viel ungezwungener darüber sprechen – für sie. Es ist dann ja nicht mehr so frisch. Und das ist auch ok so. Mir selbst ist es deutlich lieber, so komme ich nicht in die Situation, dass ich selbst trösten muss. Sicher, ich bin nicht die einzige auf dieser Welt, die jemanden verloren hat. Meine Oma hat ihr (zweites) Kind verloren, meine Tante ihre Schwester, mein Cousin seine Tante, der Freund seine Freundin. Meine Mama hatte viele liebe Menschen an ihrer Seite, die sie liebten und schätzen und ebenso viele müssen nun mit dem Verlust fertig werden. Wenn hier manch einer anruft um mir sein Beleid auszusprechen, dann tröste ich. Entweder weil es plötzlich kam, weil derjenige sich wegen irgendetwas Vorwürfe macht oder weil man sich über die Ungerechtigkeit dieser Welt auslässt. Ich zeige Verständnis, tröste, versuche Schuldgefühle abzubauen und die Gemüter zu besänftigen. Aber ich hab ehrlich gesagt überhaupt keine Lust dazu. Inzwischen gehe ich nicht mal mehr ans Telefon, wenn es nicht gerade der Bestatter oder irgendein Amt ist. Es mag etwas egoistisch klingen – vermutlich ist es das auch -, aber ich mog nimma. Zeitweise hänge ich nur noch am Telefon, kaue zum gefühlten 4321. Mal durch, dass es vielleicht besser gewesen ist, dass sie nun nicht mehr leiden muss, dass sie vor paar Wochen doch aber noch so fit war und so weiter und so fort. Es reicht. Ich weiß, sie trauern auch. Aber wenn sie das Bedürfnis haben darüber zu sprechen, dann sollten sie vielleicht untereinander darüber sprechen und mich außenvor lassen. Ich mag einfach nicht. Nicht mehr und noch nicht.
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7. Februar 2010 um 11:36 pm (einfach nur scheiße., grrrrr!)
Wenn Frau Pflergerin den Raum betritt, in dem der Liebste, das Kind, eine Freundin und ich um meine Mutter herum stehen und uns verabschieden, sie sich mal eben lässig an das Krankenbett lehnt und darauf abstützt als würde sie am hohen Tresen einer Bar ein Bier bestellen wollen, nur um uns mitzuteilen, dass wir bloß nicht ohne weiteres weggehen sollen, wenn wir hier fertig seien – dann raste ich schon mal gepflegt aus.
singsangrateding.
4. Februar 2010 um 6:10 pm (in bild und ton., tochter)
Das Tochterkind singt. Zuerst ließ sie sich stundenlang ihr komplettes Liederbuch vorsingen (eine Wohltat! ich singe nämlich viel lieber als dass ich vorlese…), inzwischen möchte sie aber lieber selbst singen. Wenn ich ansetze um wenigstens mitzusummen, dann hällt sie mir so
die Hand vor die Nase, begleitet von einem äußerst energischem Neeeeei, Mama! A. sinne!, versteht sich. Nun denn. Das Tochterkind singt also. Nicht immer kann man erahnen, was sie da gerade zum Besten gibt, aber endlich kann ich sagen, dass ich jedes Lied erraten habe. Vier Lieder aus Töchterchens Repetoir konnte ich festhalten – vielleicht haben Sie Lust zu raten?
singsangrateding episode 2.
4. Februar 2010 um 6:09 pm (in bild und ton., tochter)
Weil vier zu viel sind, hier der Nachtrag.
Luxusleben mit Kleinkind.
4. Februar 2010 um 6:49 am (mama, schnarch., tochter, ähäm.)
Mittwoch morgen, halb 10. Das Tochterkind ruft. Ich drehe mich noch mal auf die Seite, dann stehe ich auf und erlöse das Kind aus ihrer Gefangenschaft im Gitterbettchen. Schnell eine frische Windel, anziehen und schon krieche ich verschlafen ins Bett zurück. Gehst du ein bisschen spielen?, frage ich das Kind.
Jaaa!, ruft es erfreut und verschwindet in ihr Kinderzimmer.
Gut eine Stunde später – die ich natürlich verpennt habe – steht sie am elterlichen Bett. Bu anschaun.,klärt sie mich auf. Das macht sie nämlich lieber in Gesellschaft – auch wenn diese schläft. Sie krabbelt aufs Bett, setzt sich neben mich und versinkt in ihr Wimmelbuch. Ich döse weiter vor mich hin. Eine viertel Stunde später fragt sie vorsichtig Dess da?. Das ist ein Nilpferd., antworte ich. Sie nickt wissend. Ich döse weiter.
Eine weitere viertel Stunde später hat sie genug vom Buch anschauen. Es wäre auch langsam an der Zeit, dass Frau Mama aufsteht, beschließt das Tochterkind und kuschelt sich an mich. Maaaamaaaa…?, beginnt das Tochterkind vorsichtig und streichelt mir über den Arm. Maaamaaa… auf?, fragt sie weiter. Mmmmh, grummle ich zurück. Offensichtlich interpretiert sie es als ein klares JA!, denn schon ist sie aufgesprungen. Mama auuuuf!, jauchzt das Kind. Mama ansien? Ja? Kej!, sprudelt es aus ihr heraus. Mama sonn ansien. A. Mama sonn holn. Ja? Kej!, schwätzt sie aufgeregt weiter und wuselt zum Kleiderschrank. Schon hat sie die richtige Schublade ausfindig gemacht, kramt kurz darin und hält zufrieden ein paar Socken und Unterwäsche hoch. A. Mama Hoooose holn! Ssört holn!, kündigt sie bereits an und verschwindet im Badezimmer. Einen Augenblick später trägt sie mir Unterwäsche, Socken, Hose und Shirt ans Bett. Ein prüfender Blick, ein kurzes Blitzen in den Kinderaugen und schon läuft sie zurück ins Bad während sie mich informiert, was ihr noch eingefallen ist. Haaaa!, höre ich und tatsächlich, ein BH liegt noch nicht auf dem Bett. Nachdem mir auch noch dieser gebracht wird, düst das Kind ein letztes Mal los, denn schließlich soll Muttern keine kalten Füße bekommen. Hauschua! Bodn kaaaaalt!, kommentiert das Kind während sie sie mir ans Bett stellt.
So steht man doch gerne auf.
Und nächste Woche zeige ich ihr, wie man Kaffee kocht und das Früchstück zubereitet.
timing.
3. Februar 2010 um 4:49 pm (gnyaaaa!, ähäm.)
Ein Vorteil, wenn man so jung Mutter oder Vater wird, ist der, dass viele Sachen aus der eigenen Kindheit noch nicht auf Sperrmüll, Flohmarkt oder in der Altkleidersammlung gelandet sind. Ein Vorteil eines Einzelkindes ist zudem, dass niemand sonst Ansprüche auf diese Dinge stellt und vieles weder abgespielt noch abgetragen ist. Und so weiß ich schon jetzt, dass ich dem Tochterkind z.B. nie eine Barbie kaufen muss, weil im Keller meiner Mutter noch massenhaft aus meinem Bestand steht. Das gleiche gilt für einen Schlitten. Natürlich hatte ich als Kind einen Schlitten und natürlich sehe ich nicht ein, wieso ich dem Tochterkind einen neuen kaufen soll, wenn meiner unbenutzt in Mutters Garage weilt. Gestern dann endlich mal daran gedacht, das gute Stück mitzunehmen nicht ohne vorher ein Dutzend Spinnen zu verjagen, die es sich darauf, darunter oder dazwischen bequem gemacht hatten – und was ist? Der Schnee schmolz über Nacht dahin. Nichts da mit Schlitten fahren. Nächstes Jahr dann.





