Inzwischen ist ja bekannt, dass die Tochter relativ eigen ist, was das Essen betrifft. Vor einiger Zeit hatte Mami mal ehrgeizige Strategien entwickelt um das Kindlein an weitere Nahrungsmittel heranzuführen. Da ich das Thema im Anschluss an den Beitrag nie wieder erwähnt habe, dürfen Sie davon ausgehen, dass ich keine Erfolge zu verbuchen hatte. Das Kindlein blieb hartnäckig und ich gab meien Pläne auf. Stattdessen vertraute ich darauf, dass das Töchterchen schon von sich aus Interesse an anderen Lebensmitteln zeigen würde – irgendwann jedenfalls.
In der Tat habe ich Recht behalten. Heute möchte das Töchterlein grundsätzlich das, was Mama und Papa essen. Das heisst zwar nicht unbedingt, dass sie es letztendlich auch wirklich isst, aber Ansabbern ist ja auch kein schlechter Anfang. Das Interesse ist also grundsätzlich da und der Speiseplan tatsächlich um 3 unglaubliche Lebensmittel gewachsen. Die Liste-der-halbweckgs-schmackhaften-Lebensmittel beinhaltet nun also
Brot
Butter
Frischkäse
Nudeln (pur)
Joghurt (pur)
Banane
Zwieback
Obst-Getreide-Brei
und neu hinzugekommen sind
Apfel (in Maßen)
Gurke (in Maßen)
Schnittkäse (in rauen Mengen)
Und da wären wir beim eigentlichen Thema: der Schnittkäse. Das Kindlein liebt Schnittkäse. Wie die meisten Kinder, so ist auch Töchterlein der Meinung, dass Brot nicht halb so gut schmeckt wie dessen Belag und wie die meisten Kinder möchte auch sie durchsetzen, dass Mama und Papa ihr zum Abendbrot doch bitteschön einfach nur 300g Schnittkäse auftischen. Das Brot können wir ja dann essen. Ohne Belag, versteht sich, denn den isst ja die Tochter. Es ist offentsichtlich, dass hier zwei divergierende Ansichten aufeinanderstoßen und ein gewisser Konflikt vorprogrammiert ist. Also wie lösen?
Die Tochter ist jetzt 18 Monate alt. Sie ist mitten im Austesten ihrer Grenzen und hört eigentlich auf nichts, was sie nicht sowieso von sich aus machen würde. Das bedeutet, dass sie auf Mamis Aufforderung die verbotene Schublade wieder zu schließen nur dann reagiert, wenn sie der Inhalt sowieso nicht mehr interessiert hat. Andernfalls wird Muttern gekonnt ignoriert. Oder – noch besser – mit einem triumphierenden Grinsen beobachtet, wie Mami ihrerseits auf das Missachten ihres Verbots reagiert. Herrlich. Dieses Grenzen austesten macht am Esstisch natürlich keinen Halt. Im Gegenteil. Und so sind wir in den letzten Tag weit von einer Familientischidylle entfernt. Das Kindlein will Käse. Bekommt es auch – dummerweise nur auf einem ollen Stück Brot. Das Brot an sich stellt zunächst erst mal auch kein Hindernis dar, schließlich kann man den Käse ja herunternehmen oder – falls es sich um einen besonders begehrten Frischkäse handelt – ablecken. An dieser Stelle greifen Mama und Papa auch gar nicht ein. Wenn das Tochterkind meint, Käse ohne Brot essen zu wollen, bitte – unter der Bedingung, dass sie hinterher eben Brot ohne Käse isst. Dann erst gibts das nächste Stückchen Brot mit Käse Käse mit Brot. Spätestens hier wird aber deutlich, dass die Tochter sich das anders vorstellt. Das abgeschlabberte Getreideklümpchen Brot will das Kindlein natürlich nicht mehr essen. Stattdessen wird heftig nickend deutlich gemacht, dass Madmoiselle nun das nächste Stückchen Käse wünscht. Aber da wir richtig böse Eltern sind, kommen wir dem Wunsch der Prinzessin nicht nach, was wiederum Protestgekreische deluxe seitens des Kindes hervorruft. Klar. Was erlauben wir Eltern uns auch!
Den lesenden Eltern hier wird dieses Szenaro sicherlicher wohlbekannt sein.
Ich muss zugeben, dass ich die Situation derzeit sehr schwierig und somit auch als belastend empfinde – der Gatte ebenfalls und das Kindlein sowieso. Einerseits möchte ich konsequent sein und ihr eben nicht ständig neuen Käse aufs Brot legen in der Hoffnung ihr dieses wieder schmackhafter zu machen. Andrerseits zweifle ich, dass sie schon begreift, dass sie nur deshalb keinen Käse (mehr) aufs Brot bekommt, weil für dieses Stückchen Brot ja schon mal ein Stück Käse bestimmt war, sie dieses aber bereits aufgegessen hat. Das hätte allerdings zur Folge, dass ihr unsere Konsequent wie schlichte Bösartigkeit vorkommen müsste. Und an der Stelle frage ich mich, ob meine Methode dann überhaupt richtig sein kann. “Richtig” im Sinne von geeignet um mein Ziel – ihr zu vermitteln, dass Käse bei uns eben mit Brot gegessen wird – zu erreichen und darüber hinaus auch wirklich erforderlich ist, also das “mildeste Mittel” ist um eben dieses Ziel zu erreichen. Vorschläge anyone?