So. Da war es also, das erste Entwicklungsgespräch der Tochter in der KiTa. Nun finde ich es umso ärgerlicher, dass es sowas nicht schon früher gab. In unsrer KiTa gabs nämlich keine Elterngespräche. Keine richtigen jedenfalls. Wenn man eine Frage hatte, konnte man die Erzieher natürlich schon mal kurz beiseite nehmen – es wurde nur kaum genutzt. Inzwischen hat die KiTa allerdings personell aufgestockt und kann es sich erlauben den Montag als „Entwicklungsgespräch“-Tag einzuführen. Auf Anfrage kann man mit den Erziehern also einen Montag vereinbaren, an dem sich die Hauptbezugserzieher die Zeit nehmen mit den Eltern über das Kind zu sprechen.
Heute fand also unser erstes Enwicklungsgespräch statt. Anbei Erzieherin E. und Erzieherin T. , wobei E. vor nun fast einem Jahr die Eingewöhnung mit dem Tochterkind gemacht hat und somit ihre erste Bezugsperson ist.
Man hatte Getränke, Fotos, Kunstwerke des Kindes und Spielsachen, mit denen sie gerne spielt, vorbereitet. Hoch im Kurs sind beim Tochterkind immer noch die Bücher. Nichts geht über Bilderbücher anschauen und die dort abgebildeten Gegenstände benennen. Ebenso geliebt sind die vielen buza (=Puzzel), aber auch die Puppe ist ein gern bespielter Gegenstand. Malen würde das Tochterkind zudem noch sehr gerne. Bis zu diesem Punkt war mir alles bekannt, zu Hause favorisiert das Tochterkind ähnlich. Neu war mir, dass das Kindlein gerne mit Puppengeschirr spielt, gerne diverses kocht und ihre Puppe damit füttert. Das liegt schlicht daran, dass das Tochterkind zu Hause (noch) kein Puppengeschirr besitzt. Stattdessen hat sie Zugang zu diversen Plastikschüsseln und Löffeln aus unsrer Küche – die würdigt sie jedoch keines Blickes. Tze. Es ist eben doch immer genau das spannend, was man nicht haben kann.
Es wurde ein wenig zum allgemeinen Entwicklungsstand der Tochter gesagt, was zusammengefasst den Inhalt von „Sie entwickelt sich altersgerecht.“ entspricht. Sprache, Feinmotorik, Grobmotorik, alles einwandfrei (also ihrem Alter entsprechend).
Besonders interessiert haben mich zwei Punkte. Zum einen Töchterchens Verhalten innerhalb der Gruppe, zum anderen die Esssituation. Letzteres nicht etwa, weil das Tochterkind schlecht essen würde. Nein, sicher nicht. Sie ist und war schon immer eine ausgesprochen „gute“ Esserin (von den Stillproblemen einmal abgesehen), das konnten mir auch die beiden Erzieherinnen bestätigen. Das besondere an Töchterchens Esssituation in der KiTa ist, dass sie dort nicht mitisst. Während alle andren Kinder das dort angebotene Frühstück, Mittag oder den Nachmittagssnack zu sich nehmen, isst die Tochter das, was ich ihr für diese Mahlzeiten eingepackt habe. Für mich ist es nun natürlich nicht unerheblich zu wissen, wie die Tochter mit dieser Situation umgeht. Kann sie akzeptieren, dass sie nicht das gleiche bekommt, wie die andren Kinder? Leidet sie eventuell darunter, weil sie lieber das andere essen würde? Fordert sie es? Und wenn, wie verhält sie sich, wenn sie es nicht bekommt?
Grundsätzlich konnte man mich beruhigen. Es läuft gut. Das Tochterkind isst problemlos ihr Brot, die Banane, das Ei oder was ich ihr sonst noch zu essen einpacke. Manchmal würde sie Teile des Essens dort fordern, gerade wenn es Nudeln gibt zum Beispiel und ganz schlimm bei Joghurt zum Nachtisch. In dem Zusammenhang beichtete man mir, dass man ihr schon mal ein paar Nudeln gegeben hätte, weil das Tochterkind dermaßen darauf fixiert gewesen sei, dass man Mitleid hatte. Das finde ich nun aber auch nicht schlimm, im Gegenteil. Es ist eher beruhigend zu wissen, dass die Erzieherinnen im Zweifel auch mal nachgeben und nicht tatenlos zusehen während sich die Tochter die Seele aus dem Leib brüllt. Im Gespräch habe ich auch noch mal deutlich gemacht, dass sie nicht etwa aus Allergie-Gründen nicht mitisst, sondern aus dem einfachen Grund, dass ich das dort angebotene Essen ernährungstechnisch subobtimal finde (das habe ich allerdings nicht ganz so direkt formuliert..). Aber natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn das Tochterkind dort ein paar Nudeln isst, selbst wenn es keine Vollkornnudeln sind (Ökomuddi lässt grüßen.). Man nickte, man verstand und ich glaube, man verstand mich wirklich und fand mein Vorgehen nicht etwa einfach nur doof und überflüssig. Eine Änderung gab es nun aber doch: künftig wird Muddi regelmäßig Joghurt (pur) im Kühlschrank der KiTa deponieren, sodass das Tochterkind auch einen Joghurt bekommt, wenn die Kinder einen zum Nachtisch essen. Das klingt doch super.
Ebenso interessant wie die Esssituation war für mich die Frage nach dem Platz der Tochter innerhalb der Gruppe.
Was soll ich sagen? Nun ja. Sie hat keinen. Natürlich ist sie noch sehr jung und das Spiel mit andren Kindern nicht wichtig oder gar erforderlich. Aber selbst neben andren Kindern spielt die Tochter eher ungern. Sie scheint mehr der Eigenbrötler. Dafür ist sie sehr konzentriert bei der Sache, wenn sie sich was zum Spielen ausgesucht hat. Am liebsten allerdings sitzt sie einfach nur an sicherere Stelle – was zumeist der Schoß einer Erzieherin ist – und beobachtet. Das, was wir eigentlich schon immer geahnt haben, wurde uns in diesem Rahmen auch mal von außen sehr deutlich gesagt. Das Kind beobachtet leidenschaftlich und äußerst ausdauernd einfach das Geschehen um sie herum. Man erzählte mir, dass das Kind gerne am Zaun der Puppenecke stünde und beobachte, wie andre Kinder mit ihrer Puppe spielen würden. Sobald das Kind die Puppenecke verließe, würde sie selbst hineingehen und mit der Puppe exakt das nachahmen, was das andere Kind vorgemacht habe.
In der Tat ist uns ihre Beobachtungsgabe auch schon aufgefallen. Meines Erachtens ist gerade das Beobachten der Grund dafür, dass bei der Tochter größere Entwicklungsschritte immer ganz plötzlich auftreten. Krabbeln, Laufen, Rennen, Klettern – all das lernte das Kind scheinbar von einem Tag auf den nächsten. Vielleicht erinnert sich der ein oder andre Leser an dieses Video? Die kurze Videosequenz hält Töchterchens ersten Schritte fest. Sie läuft mehrere Meter ohne groß zu fallen. Sie geht in die Knie, hebt etwas vom Boden auf und richtet sich ohne Hilfe der Hände wieder auf um weiterzulaufen. Für die ersten Schritte finde ich das wirklich erstaunlich. Bis dato war ich der Annahme, dass Kinder sich ausprobieren müssten, dass sie viele, viele Versuche bräuchten bis etwas gelingen würde. Wahr ist, dass das vermutlich auf viele Kinder zutrifft, unwahr, dass es auf alle zutrifft. Die Tochter hier beobachtet also erst mal ausgiebig und wenn sie meint, genug Informationen gesammelt zu haben, versucht sie es selbst – und landet meist gleich mit dem ersten Versuch einen Volltreffer.
Das alles und noch ein paar überaus wichtige Details mehr ergab also das Entwicklungsgespräh. Es war ein gelungenes Gespräch, fand ich. Eines, bei dem man mich auch nur Dinge fragte, die tatsächlich relevant im Hinblick auf die Tochter waren. Ich wurde also nicht gefragt, ob wir in einer Mietwohnung leben, welche Einkommensverhältnisse wir haben oder ob wir einen Schwimmkurs besuchen (alles schon gehört…). Gefragt wurde nur Dinge, die auch wirklich relevant waren, also zum Beispiel wie es zu Hause mit dem Essen laufen würde. Oder welchen Eindruck ich hätte, ob sich das Kind in der KiTa wohl fühle?
Genau diesen Eindruck habe ich. Das Kindlein fühlt sich wohl in der KiTa. Ich bin wirklich zufrieden und finde unsre derzeitige Regelung voll auf unsere Bedürfnisse abgestimmt. Ich habe das Gefühl für die Tochter genau das richtige Maß zwischen Einfluss von außen (andre Erwachsene, Kontakt mit Gleichaltrigen, andre Räumlichkeiten, andres Spielzeug) und dem Vertrauten (Mama, Papa, unsere Wohnung, ihr Spielzeug, die Hasen..) gefunden zu haben. Das Kind geht gern in die KiTa und kommt ebenso gerne wieder nach Hause. Das beruhigt mich sehr, muss ich zugeben. Man zweifelt ja doch immer ein bisschen, ob der eigene Weg wirklich so gut ist, wie man hofft glaubt.
Und wie würden die Erzieherinnen die Tochter in einem Satz beschreiben?
Sie ist ein ruhiges und ausgeglichenes Kind.
Das klingt doch gar nicht so übel


Kathi sagte,
19. Oktober 2009 um 5:12
Darf man was kritisches sagen? Also etwas, was mir als erstes durch den Kopf gegangen ist, als ich das gelesen habe??
Machen Sie das Kind nicht selbst zum Eigenbrötler, indem es anderes Essen bekommt als die anderen Kinder? Mag sein, dass die Kleine das zu akzeptieren scheint, aber vielleicht versteht sie sich deswegen weniger als Teil der Gruppe und macht das eben auch im Spielen deutlich? Beim Frühstück finde ich diese Individualität ja irgendwie noch ok, aber beim Mittag? Ein Kind, dass das Warum eigentlich nicht verstehen kann umgeben von Kindern, die das Warum auch nicht verstehen können, weil sie einfach noch zu klein sind? Die einfach nur das „andere“ sehen? Kinder können grausam sein und die Wahrscheinlichkeit, dass sie früher oder später ausgegrenzt wird, ist groß, denke ich!
Liebe Grüße
Kathi
agichan sagte,
19. Oktober 2009 um 7:14
Oh, ich hab gar kein Problem mit Kritik.
Ihr Gedanke ist es auf jeden Fall wert einmal gedacht zu werden
Trotzdem glaube ich das nicht.
). Ebenso glaube ich das mit dem Essen. Es war einfach immer so.
Zum einen ist das Tochterkind nicht mal 2 Jahre alt, die Kinder in ihrer Gruppe maximal ein Jahr älter (dann ziehen sie in den Kindergarten unten ein), hauptsächlich aber jünger. In dem Alter spielen eigentlich alle Kinder nebeneinander und nicht miteinander, lediglich die Großen (also die fast-Kindergartenkinder) suchen schon mal eher einen Spielpartner. Zum anderen glaube ich nicht, dass Kinder in dem Alter so differenzierend denken. Ich sehe es ja an meiner Tochter. Würde ich nun täglich wie ein Clown rumlaufen, dann fände sie das irgendwann einfach normal. Sie würde mich nicht mit andren Eltern vergleichen und dann feststellen, dass ihre Mutter anders ist (peinlich will ich nicht sagen
Das ganze ist nun auch nicht nur reine Spekulation. Genau genommen sehe ich das aus 2 Perspektiven – einmal als Mutter (die nun dank des Gesprächs ausreichend informiert ist) und schließlich auch noch mit Kinderaugen. Was die Gespräche mit den Erziehern betrifft, so haben mir beide gesagt, dass das überhaupt kein Problem darstelle. Das Tochterkind würde ihre Tasche einfordern und auch von den andren Kindern wird es als gegeben hingenommen (zumal es noch ein Mädchen gibt, dass ihr eigenes Essen mitbringt – dieses aus Allergiegründen). Was die Sicht mit Kinderaugen betrifft, so sollte ich erwähnen, dass meine Mutter das damals bei mir genauso geregelt hat. Sowohl im Kindergarten als auch im Hort (Klasse 1-3), habe ich nicht zu Mittag gegessen. Im Kindergarten habe ich über 2 Jahre lang jeden Tag Haferflocken mit Rosinen bekommen. Jeden Tag. Mich hat als Kind weder das Essen gestört (im Gegenteil, ich hab es geliebt und tue es noch heute), noch die Tatsache, dass die andren was andres essen als ich. Und Probleme hatte ich im Kindergarten deswegen auch keine. Allerdings erinner ich mich nur an 2 Kindergartenjahre (von 4-6), über das erste kann ich also nichts sagen, aber eher glaube ich, dass ältere Kinder andere Kinder ausgrenzen, hänseln oder in sonst einer Form grausam sind wie Sie es nennen. Je kleiner, für desto unwahrscheinlicher halte ich es. Aber selbst im Hort (und da sind meine Erinnerungen nun wirklich top, das ist ja nicht mal 15 Jahre her) hat mich niemand deswegen aufgezogen. Es war einfach so. Meine Mutter hatte es „verboten“ und gut war. Wenn jemand der/die Böse war, dann sowieso meine Mutter
Also nein, ich glaube absolut nicht, dass sie in irgendeiner Form ausgegrenzt wird. Dass die Erzieherinnen sagen, sie sei mehr die Eigenbrötlerin und würde lieber für sich – oder mit den Erziehern – spielen, dann entspricht das absolut ihrem Charakter. Den Eindruck hatte ich auch schon, nur dass ich das nicht so oft beobachten kann, weil wir hier im neuen Wohnort nicht so viele Möglichkeiten haben andre Kinder zu treffen. Das heisst, ich kann das nur alle paar Monate beim Treffen mit einer Freundin aus Schwangerzeiten (die leider 200km weiter wohnt) und deren Sohn beobachten – und da entspricht Töchterchens Verhalten genau dem, was die Erzieherinnen über sie gesagt haben. Lieber für sich. Nicht mitten im Getümmel. Oft die stille Beobachterin und wenn aktiv, dann dort, wo nicht so viele andre Kinder sind.
Und ganz ehrlich, ich find das absolut ok. Mit nicht mal 2 Jahren erwarte ich nicht, dass sie schon „Freunde“ hat. Das wäre eher verwunderlich.
Kathi sagte,
19. Oktober 2009 um 8:49
Da Sie ja genauso aufgewachsen sind, haben Sie bestimmt die besseren Erfahrungen. Meine sind da eher aus der Grundschulzeit, wo man schnell mal gnadenlos ins Abseits gestellt wird, wenn man anders ist… Aber das noch ein weiteres Kind aus Allergiegründen anderes Essen bekommt, ist bestimmt sehr förderlich für die ganze Sache. So ist ihre Tochter ja doch nicht die Einzige
Es war einfach mein erster Gedanke, als ich das ganze gelesen habe, wahrscheinlich eben aufgrund meiner Erfahrungen (die aber wie gesagt aus der Schulzeit stammen) – ich hoffe, es ist ok, dass ich ihn geschrieben habe…
LG Kathi
agichan sagte,
19. Oktober 2009 um 9:39
Ich sag doch, dass die Gedanken es wert waren gedacht zu werden. Vielen Dank also für die Anmerkungen
Frau Kathy sagte,
19. Oktober 2009 um 10:02
„ruhig und ausgeglichen“
das waren auch meine ersten eindrücke unseres leider viel zu kurzen treffens. und nein, daß klingt überhaupt gar nicht so übel, denn trotzdem empfand ich sie als sehr aufgeweckt und interessiert.